… Doch bereits als er näher kam, vernahm
er ihr fremdartiges Krächzen, das vom Tod
erzählte. Ihm wurde unheimlich zumute. Als
er auf sie zuflog, verstummten sie, und er
sah, wie herrlich ihr schwarzes Federkleid in
der Sonne schimmerte.
„Was willst denn du kleines graues
Federvieh hier?“, wunderten sie sich und
beäugten ihn misstrauisch.
Ängstlich antwortete der Piepmatz: „Die
Waldvögel behaupten, ich sei eine Krähe,
weil ich nicht singen kann. Deshalb haben
sie mich verjagt.“
„Das tut mir leid für dich“, erwiderte ein
besonders schöner Vogel. „Aber du kannst
unmöglich einer von uns sein. Dein Gefieder
glänzt nicht die Spur.“ Niedergeschlagen sah
das Vögelchen an sich hinab.
„Aber ich krächze doch!“, meinte es
hoffnungsvoll.
„Kannst du wirklich krächzen?“, fragte eine
der Krähen und gab einige Laute von sich.
Erschrocken wich das Vögelchen zurück.
Solch kräftige, klare Töne hatte es nicht
herausgebracht.
„Na?“, meinte die Krähe. Sie hatte zwar
keine so anmutige Stimme wie die
Waldvögel, doch auch ihr Krächzen war
bedeutend schöner als der heisere Laut, der
dem Vögelchen damals entschlüpft war.
„Vielleicht gehöre ich ja nirgendwohin“,
murmelte es. Mitleidig sahen ihm die
Krähen nach, als es von dannen flog.
Fortan traute es sich nimmermehr, auch nur
einen Laut von sich zu geben, und lebte im
Dunkeln und Verborgenen. Ab und zu
begegnete es der Eule. Doch außer einem
müden Gruß brachte es keinen Ton heraus.
Es versuchte, sich in sein Schicksal zu
fügen, doch das nahm ihm alle
Lebensfreude.
Irgendwann konnte die Eule den traurigen
Anblick nicht länger ertragen und fragte,
was sich denn bei den Krähen zugetragen
habe. Das Vögelchen erzählte vom
kraftvollen Krächzen und dass es kein
glänzendes Gefieder besitze, sondern nur
schmutzig-grau sei.
Die Eule erschrak: „Aber wer bist du dann?“